Chronik der Bairer Musi

Hundertprozentig abgesichert ist unser erstes Erscheinen nicht belegt, es lässt jedoch ein Eintrag ins Pfarrbuch auf die Tätigkeit eines musikalischen Lehrers namens Toni Karl schließen. Der kam im Jahre 1837 in unsere damals noch sehr abgelegene Gemeinde (Straßen waren damals noch ein Fremdwort und Brücken über Braunau und Glonn rar) und schuf ein fünfköpfiges Bläserensemble, das zum Kirchweihfest 1839 erstmals zu hören war. Sein Nachfolger Ludwig Gebhart, ebenfalls ein Lehrer, verhalf uns 1866 zu einem ersten fotografischen Dokument, das bis heute erhalten geblieben ist.

In der Folgezeit wurden mehrere in unserer kleinen Gemeinde (heute ca. 1400 Einwohner) wichtige Ereignisse durch unsere Vorfahren verschönert; so zum Beispiel die Einweihung von zwei Schulhäusern (1879 und 1907) und einer neuen Kirche in Antholing (1911).

Nach den beiden Weltkriegen wurde die Kapelle langsam wieder mit jungen Musikern aufgebaut. Weil zu dieser Zeit eigentlich keine der umliegenden Kapellen genügend Personal aufweisen konnte, half man sich gegenseitig aus und spielte lange Jahre gemeinsam mit Glonnern, Höhenrainern und Vagenern in der "Glonntaler Blaskapelle". Im Jahre 1965 übernahm Anderl Widmann gerade mal 23jährig die Leitung. Er organisierte 1974 das 135jährige Gründungsfest zu dem wir uns eine etwas größere Gastkapelle einluden; 167 Studenten der "University of Nebraska Marching Band" sorgten in der kleinen Halle für gehörig Stimmung und Lautstärke. Fünf Jahre später sorgte die befreundete Kapelle aus Hafling für einen Farbtupfer in unserem Gäu. Anderl Widmann  wechselte 1989 nach unserem 150jährigen Gründungsfest vom Dirigenten- zum Vorstandsrednerpult und betreute diesen Posten bis ins Jahr 2000. Das Dirigentenamt bekleideten in der Zwischenzeit Michael Graß, der diesen Posten schon von 1951 bis 1954 betreute und seit 1996 Leonhard Neuner. In diese Zeit fiel auch 1999 die Überreichung der Pro Musica Medaille in Neu-Ulm.

Natürlich sind wir auch keine Stubenhocker und ließen unsere Instrumente in Süditalien (Potenza) und im Aostatal bei einem befreundeten Bergsteigerchor erklingen. Auch Ungarn und Frankreich waren schon Ziele unserer Kapelle.

Eine neue Erfahrung war für uns die Produktion einer Schallplatte; erst als Gemeinschaftsobjekt mit sämtlichen Musikgruppen der Gemeinde (1984), dann als eigenständige Aufnahme einer LP (1988).

Unserer bisher größten Herausforderung stellten wir uns 1999, als uns das Bezirksmusikfest im MON in Verbindung mit dem 160jährigen Gründungsfest übertragen wurde. Dort konnten wir unser neu gebautes Vereinsheim beim Wertungsspielen auf die Probe stellen. Bei schönem, aber nicht heißem Wetter am Sonntag marschierten 32 Gastkapellen durch unser herausgeputztes Antholing. Der Festabend tags zuvor wurde als Großkonzert der Auer-, Vagener- und Bairer Musikkapellen (insgesamt 127 Musiker!) gefeiert und war ebenfalls ein großer Publikumsmagnet, der mit der Suite "Tirol 1809" von Sepp Tanzer endete.

Im Frühjahr 2000 wurde Vorstand Anderl Widmann auf eigenen Wunsch von Alfons Weichinger abgelöst. Anderl Widmann bedankte sich noch einmal bei Hans Hagenrainer für die Wahlleitung und bei allen, die ihm in den vergangenen Jahren zur Seite gestanden haben. Danach gab er uns noch eine kurze Chronik seiner Karriere, die mit der Übernahme des Amtes vom Eder Hans 1965 begann. In Hausproben versuchte er, seinen damals 12 bis 15 Musikern etwas Brauchbares anzutrainieren. Die weiteren Übungsräume nach der Aufnahme der Jugend 1977 waren die Schreinerei Huber Konrad, dann der ehemalige Schulsaal beim Lothar in Netterndorf, beim Wirt erst in der Stube, dann im Saal, dazwischen die Schulaula in Antholing, das Bergangerer Schulhaus sowie zuletzt das Vereinsheim.

Im Jahr 2002 fand das letzte Musikantenkranzl statt. Dieser Rosenmontagsball, immer mit allerlei Einlagen gewürzt und der erst von uns selber, dann von der damaligen Jugendkapelle und die letzten Jahre von den Klausfelder Musikanten im Netterndorfer Wirtshaussaal mit Musik versorgt wurde, war finanziell nicht mehr durchführbar. Nach einem Jahr ohne Rosenmontagsgaudi einigten sich Musi und Trachtenverein, einen Dorffasching durchzuführen, bei dem alle Ortsvereine eingebunden werden und für Einlagen sorgen sollen. Dieser fand erstmals im Jahr 2004 im Vereinsheim statt. Nach einigen Proben nahmen wir als Maurer verkleidet auf einem entsprechend als Bühne aufgebautem Gerüst unsere Plätze ein. Der Wongä führte in unnachahmlicher Art durch den Abend, dessen Erlös in der Kirchenrenovierung verputzt oder vermauert wurde.

Im gleichen Jahr gab Vorstand Alfons Weichinger sein Amt an Sepp Würz ab, der seitdem an unserer Spitze fungiert. In dieser Zeit wurden erste Überlegungen angestellt, einen Raum im Vereinsheim für die Notenaufbewahrung zu errichten. Im Juli konnte unser Pfarrer Hans Prechsel sein 50jähriges Priesterjubiläum feiern. Unser Dirigent Leonhard Neuner brachte dazu vier Chöre (Kirchenchöre Baiern und Berganger, den Bairer Rhytmuschor und den Chor Undique auf eine Linie um den Festgottesdienst am alten Turm würdig zu gestalten. Die Musikanten aus Niklasreuth freuten sich sichtlich, als wir beim Kesselfleischessen anlässlich deren Musikfestes unter Zuhilfenahme der Böllerschützen aus Berganger die Suite "Tirol 1809" aufführten.

Im Jahr 2007 hatten wir unseren ersten Auftritt in der Allianz Arena. Außerdem wird seit diesem Jahr das traditionelle Neujahranblasen jährlich abwechselnd in Nord- und Südteil der Gemeinde durchgeführt.

Bei der Jahreshauptversammlung am 13. März 2008 konnten wir unseren hauptsächlich in Eigenleistung vom Etschmoschorsch und Osl Sepp erstellten Notenraum im Keller des Vereinsheims einweihen. Er ist akustisch perfekt isoliert und wird seither auch von diversen Musiklehrern als Übungsraum genutzt. Durch eine Spende steht auch ein Klavier in diesem Raum.

Ein weiterer Höhepunkt war das Gaufest von unserem Trachtenverein im Juli 2009. Beim Gauheimatabend sowie am Festsonntag waren wir selbstverständlich Festkapelle, das Kesselfleischessen am Montag bestritt die Glonner Musi und am Donnerstag hatten wir unser Weinfest. Dazu wurde das Zelt komplett umgeräumt, wie ein Weingarten umgestaltet, alle verfügbaren Instrumente an allen möglichen und unmöglichen Befestigungsmöglichkeiten aufgehängt, ein Pavillon ins Zelt für die Biertrinker gestellt sowie die Jungen Riederinger Musikanten auf die Bühne gebeten. Der Besucheransturm bestätigte unsere Planungen vollends.

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